Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das globale Finanzsystem präsentierte sich im Geschäftsjahr 2014/15 in einer robusten Verfassung, die Risikofaktoren für die Weltwirtschaft haben aber zugenommen. Nachdem im ersten Halbjahr 2015 hauptsächlich die Schuldenkrise Griechenlands und der erwartete erste Zinsschritt der US-Notenbank im Mittelpunkt des Geschehens gestanden hatten, rückte ab dem Sommer die Wirtschaftsentwicklung Chinas ins Zentrum. China ist mit einem Anteil von 16,9 % an der Weltwirtschaft ein wesentlicher Treiber des Wachstums. Mehr noch spielt das Land eine erhebliche Rolle als Rohstoffnachfrager auf den Weltmärkten. Dies wirkt sich auf die Rohstoffpreise und damit auf die Wirtschaftsentwicklung in den von Rohstoffexporten abhängigen Schwellenländern aus. 

Erwartetes BIP-Wachstum 2015 1)

Grafik: Erwartetes BIP-Wachstum 2015

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner Herbstprognose das globale Wirtschaftswachstum 2015 von zuvor 3,3 % (Juli-Prognose) auf 3,1 % nach unten korrigiert. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Rückkehr zu robustem Wachstum sechs Jahre nach der tiefsten globalen Rezession seit dem zweiten Weltkrieg nur schwer erreichbar sei.

Weiter heißt es im Weltwirtschaftsausblick (WEO), dass zwischen den Industrie- und Schwellenländern deutliche Unterschiede beständen. Insgesamt wird die Erholung in der ersten Gruppe, trotz positiver Einzelentwicklungen, nur als mäßig eingestuft. Zwar setzte sich in den USA der Aufschwung mit 2,6 % fort. Auch die Eurozone wird 2015 mit 1,5 % noch auf Wachstumskurs gesehen, wobei Deutschland mit plus 1,5 % ebenfalls gut abschneidet. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sind zuversichtlicher und gestehen dem Land sogar ein Wirtschaftswachstum von 1,8 % zu. In Japan war erstmals wieder eine positive Wachstumsrate zu verzeichnen. Als dämpfend werden jedoch demografische Veränderungen und ein Rückgang der Investitionstätigkeit eingestuft. Unbedingt erforderlich sei deshalb nach Meinung des IWF das Festhalten an der lockeren Geldpolitik.

Sorge bereitet die Lage der Schwellenländer. Deren Wachstumsraten nehmen weiter ab. Betroffen sind nach Angaben des IWF vor allem Länder, die auf Rohstoffexporte angewiesen sind, wie die lateinamerikanischen Staaten und die erdölexportierenden Länder. Auch ist es zu einer Kapitalflucht aus Schwellenländern gekommen, die von der internationalen Bankenvereinigung IIF (Institute of International Finance) auf 540 Mrd. US-Dollar geschätzt wird. Zwar gehen Beobachter schon länger davon aus, dass die Wachstumsraten hier niedriger ausfallen werden, doch akut wurde das Thema erst im Sommer durch die mit starken Unsicherheiten versehene Entwicklung in China. Es hat sich gezeigt, dass die Transformation zu einem neuen Wachstumsmodell nicht ohne Komplikationen abläuft. Das Wirtschaftswachstum des Landes ist im dritten Quartal 2015 erstmals seit der weltweiten Finanzkrise unter die Marke von 7 % gefallen. Mit 6,9 % ist es so niedrig wie seit Anfang des Jahres 2009 nicht mehr. Zudem wurde in China durch das Platzen einer Aktienmarktblase ein Kurssturz an den Aktienbörsen hervorgerufen, der das Vertrauen in die Fähigkeit der politischen Führung zu Reformen sinken ließ. Massive Interventionen entfalteten zunächst nur begrenzt Wirkung. Ähnliches konnte am Devisenmarkt beobachtet werden, nachdem der Außenwert der chinesischen Währung am 11. August stark abgewertet wurde.