Ertrags-, Vermögens-, und Finanzlage der Aurubis AG

Allgemeine Informationen

Ergänzend zur Berichterstattung zum Aurubis-Konzern erläutern wir im Folgenden die Entwicklung der Aurubis AG. Die Aurubis AG ist das Mutterunternehmen des Aurubis-Konzerns mit Sitz in Hamburg sowie Produktions-standorten in Hamburg und Lünen. Die Geschäftstätigkeit umfasst neben der Steuerung des Aurubis-Konzerns insbesondere auch die Primärkupfererzeugung und das Recycling sowie die Produktion von Kupferprodukten und Edelmetallen. Der Einzelabschluss der Aurubis AG wird nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) und des Aktiengesetzes (AktG) aufgestellt. Die wesentlichen Unterschiede zu dem nach IFRS-Grundsätzen aufgestellten Konzernabschluss liegen in der Bilanzierung des Anlagevermögens, der Bewertung des Vorratsvermögens, der Bewertung der Finanzinstrumente sowie der Bilanzierung von Pensionsrückstellungen.

Die Steuerung im Aurubis-Konzern erfolgt gesellschaftsübergreifend auf Konzernebene nach Business Units mit den finanziellen Leistungsindikatoren operatives EBT sowie dem operativen ROCE. Dies trifft auch auf die operativen Aktivitäten der Aurubis AG zu, die ein wesentlicher Bestandteil des Konzerns sind. Insofern repräsentieren die Entwicklung und die Prognose der finanziellen Leistungsindikatoren auf Ebene der Business Units und des Gesamtkonzerns gleichzeitig die Entwicklung und Prognose der Aurubis AG als Einzelgesellschaft.

 

Die Analyse der Entwicklung der genannten finanziellen Leistungsindikatoren im Geschäftsjahr sowie deren Prognose für das Folgejahr sind im Wirtschaftsbericht sowie im Prognosebericht für den Gesamtkonzern dargestellt. Aussagen zur Risikosituation und zu den Chancen finden sich im Risiko- und Chancenbericht des Konzerns.

Ertragslage

Entwicklung des Jahresergebnisses und wesentlicher GuV-Positionen nach HGB

    T 019
     
in Mio. € 2014/15 2013/14
     
Umsatzerlöse 7.528 7.584
Bestandsveränderungen/Aktivierte Eigenleistungen 52 – 34
Sonstige betriebliche Erträge 59 93
Materialaufwand – 7.064 – 7.161
Rohertrag 575 482
     
Personalaufwand – 257 – 216
Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen – 45 – 49
Abschreibungen auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens – 60 0
Sonstige betriebliche Aufwendungen – 117 – 123
Betriebsergebnis (EBIT) 96 94
     
Finanzergebnis 111 – 14
Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) 207 80
     
Steuern – 62 – 18
     
Jahresüberschuss 145 62

Der Geschäftsverlauf der Aurubis AG im Geschäftsjahr 2014/15 war gegenüber dem Vorjahr durch einen höheren Konzentratdurchsatz bei gleichzeitig gestiegenen Schmelz- und Raffinierlöhnen sowie durch eine effizientere Metallausbringung positiv beeinflusst. Darüber hinaus sind die Raffinierlöhne auf den Altkupfermärkten sowie die Erlöse für Schwefelsäure gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich angestiegen. Das Kupferproduktgeschäft profitierte von gestiegenen Kathodenprämien.

Umsatzentwicklung nach Produkten Aurubis AG

Grafik: Umsatzentwicklung nach Produkten Aurubis AG

Die Umsatzerlöse verringerten sich im Berichtsjahr um 56 Mio. € auf 7.528 Mio. € (Vj. 7.584 Mio. €). Diese Entwicklung ist im Wesentlichen auf geringere Kupferproduktverkäufe zurückzuführen.

Durch die leicht unter dem Vorjahr liegende Materialaufwandsquote und unter Berücksichtigung der Bestandsveränderung, der aktivierten Eigenleistungen und der sonstigen betrieblichen Erträge erhöhte sich der Rohertrag im Berichtsjahr um 93 Mio. € auf 575 Mio. € (Vj. 482 Mio. €).

Der Personalaufwand erhöhte sich um 41 Mio. € auf 257 Mio. € (Vj. 216 Mio. €) vor allem aufgrund der Auflösung einer Unterstützungskasse und der damit verbundenen Übernahme der Verpflichtung in Form einer Direktzusage für Pensionsleistungen an Mitarbeiter der Aurubis AG.

Die Abschreibungen auf das Anlagevermögen verringerten sich um 4 Mio. € auf 45 Mio. € (Vj. 49 Mio. €). Der Rückgang ist auf ein geringeres Investitionsvolumen im Geschäftsjahr zurückzuführen. Die Abschreibungen auf das Umlaufvermögen i. H. v. 60 Mio. € betreffen Finanzforderungen gegen ein verbundenes Unternehmen.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen liegen mit 117 Mio. € leicht unter denen des Vorjahres (123 Mio. €). Insgesamt ergab sich somit ein Betriebsergebnis (EBIT) i. H. v. 96 Mio. € (Vj. 94 Mio. €).

Das Finanzergebnis beträgt im Berichtsjahr 111 Mio. € (Vj. -14 Mio. €). Hierin enthalten sind neben Dividenden von Tochterunternehmen i. H. v. 83 Mio. € (Vj. 36 Mio. €) auch Zuschreibungen auf Beteiligungsbuchwerte i. H. v. 69 Mio. €. Weiterhin wurden in der Berichtsperiode außerplanmäßige Abschreibungen auf einen Beteiligungsbuchwert i. H. v. 1 Mio. € und stichtagsbezogene Wertberichtigungen auf Wertpapiere des Anlagevermögens i. H. v. 6 Mio. € vorgenommen. Überdies enthält das Finanzergebnis Nettozinsaufwendungen i. H. v. 34 Mio. €.

Nach Berücksichtigung des Steueraufwands in Höhe von 62 Mio. € (Vj. 18 Mio. €) ergibt sich ein Jahresüberschuss von 145 Mio. € (Vj. 62 Mio. €). Die effektive Steuerquote liegt aufgrund einer veränderten Ergebnisstruktur mit 29 % über der des Vorjahres (22 %).

Vermögenslage

Das Anlagevermögen stieg insbesondere aufgrund von Zuschreibungen auf verbundene Unternehmen i. H. v. 69 Mio. € auf 1.940 Mio. € (Vj. 1.870 Mio. €). Das Vorratsvermögen erhöhte sich aufgrund von höheren Beständen an Kathoden sowie Draht und Stranggussformaten auf 739 Mio. € (Vj. 717 Mio. €).

Unter Berücksichtigung des starken Anstiegs der Flüssigen Mittel i. H. v. 266 Mio. € erhöhte sich die Bilanzsumme gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 284 Mio. € auf 3.461 Mio. €. Damit beträgt der Anteil des Anlagevermögens 56 % (Vj. 59 %), der Anteil der Vorräte 21 % (Vj. 22 %) und der Anteil der Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände an der Bilanzsumme 10 % (Vj. 14 %).

Das Eigenkapital erhöhte sich aufgrund des im Geschäftsjahr erwirtschafteten Jahresergebnisses um 100 Mio. € auf 1.290 Mio. € (Vj. 1.190 Mio. €). Die Eigenkapitalquote blieb mit 37 % (Vj. 37 %) auf Vorjahresniveau.

Die Rückstellungen sind insgesamt um 70 Mio. € auf 289 Mio. € angestiegen. Dies betrifft im Wesentlichen den Anstieg der Rückstellungen für Pensionen um 43 Mio. € sowie der Steuerrückstellungen um 29 Mio. €. Ursächlich für den Anstieg der Pensionsrückstellungen war im Wesentlichen die Auflösung der Unterstützungskasse und die Überführung der Pensionsansprüche in eine Direktzusage von der Aurubis AG.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten stiegen um 74 Mio. € im Wesentlichen aufgrund der Aufnahme von Schuldscheindarlehen i. H. v. 300 Mio. € bei gleichzeitiger Tilgung von Schuldscheindarlehen i. H. v. 210 Mio. €. Die Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen von 486 Mio. € auf 529 Mio. € betrifft Konzentratlieferungen, die unmittelbar nach dem Stichtag gezahlt wurden. Die Finanzverbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen im Rahmen des üblichen Finanzverkehrs erhöhten sich von 712 Mio. € auf 730 Mio. €.

Die übrigen Verbindlichkeiten sanken von 62 Mio. € auf 15 Mio. €. Dies ist auf geringere Umsatzsteuerverbindlichkeiten im Rahmen der gesetzlichen Änderungen des Reverse Charge Verfahrens zu Beginn des Geschäftsjahres zurückzuführen.

Bilanzstruktur der Aurubis AG

    T 020
     
in % 30.09.2015 30.09.2014
     
Anlagevermögen 56 59
Vorräte 21 22
Forderungen etc. 10 14
Flüssige Mittel 13 5
  100 100
     
Eigenkapital 37 37
Rückstellungen 8 7
Verbindlichkeiten 55 56
  100 100

Aurubis setzt Anlagegegenstände ein, die im Rahmen von Leasingverträgen genutzt und nicht bilanziert werden. Die finanziellen Verpflichtungen aus Miet- und Leasingverträgen betragen 9 Mio. €. Daneben bestehen finanzielle Verpflichtungen aus langfristigen Lager- und Umschlagsverträgen in Höhe von 145 Mio. €.

Finanzlage

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten belaufen sich zum Stichtag auf 487 Mio. € (Vj. 413 Mio. €). Die Restlaufzeiten betragen

  T 021
   
unter 1 Jahr 22 Mio. €
1 bis 5 Jahre 344 Mio. €
über 5 Jahre 121 Mio. €

Bei Einbeziehung der Finanzverbindlichkeiten gegenüber Tochterunternehmen von 568 Mio. € (Vj. 494 Mio. €) und bei Abzug der liquiden Mittel von 426 Mio. € (Vj. 160 Mio. €) ergeben sich zum 30.09.2015 Netto-Finanzverbindlichkeiten i. H. v. 629 Mio. € (Vj. 747 Mio. €).

Liquiditäts- und Finanzierungsanalyse

Das Jahresergebnis sowie der Abbau von Working Capital führt zu einem positiven Netto-Cashflow in Höhe von 217 Mio. €. Der Abbau resultiert aus metallpreisbedingt niedrigeren Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie aus höheren Verbindlichkeiten aus Konzentratlieferungen zum Stichtag. Der Mittelzufluss aus der Veränderung des Working Capitals beläuft sich im Berichtsjahr insgesamt auf 44 Mio. €.

Der Mittelabfluss für Investitionen in das Anlagevermögen beträgt 54 Mio. € (Vj. 64 Mio. €). Die Investitionen in Sachanlagen i. H. v. 51 Mio. € (Vj. 63 Mio. €) betreffen vor allem Investitionen in den Neubau der Bleiraffination und einer Mitarbeiterwaschkaue sowie des Gesundheitszentrums am Standort Hamburg. Daneben wurden diverse Infrastruktur- und Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt.

Der Mittelzufluss aus der Finanzierungstätigkeit betrifft sowohl die Aufnahme von Schuldscheindarlehen i. H. v. 300 Mio. € bei gleichzeitiger Rückführung von Schuldscheindarlehen i. H. v. 210 Mio. € als auch Aufnahmen von Darlehen von Tochterunternehmen im Rahmen der bestehenden Cash Pool Vereinbarungen.

Die flüssigen Mittel am Ende der Berichtsperiode betragen 426 Mio. €. Neben den liquiden Mitteln verfügt die Aurubis AG über ungenutzte Kreditlinien und damit über ausreichende Liquiditätsreserven. Darüber hinaus nutzt die Aurubis AG den regresslosen Verkauf von Forderungen im Rahmen von Factoringvereinbarungen als Finanzierungsinstrument.

Investitionen

Am Standort Hamburg wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr für den Neubau der Bleiraffination 6 Mio. € investiert. Die Maßnahme konnte im Jahr 2015 abgeschlossen werden.

Für den Neubau einer Mitarbeiterwaschkaue sowie eines Gesundheitszentrums wurden am Standort Hamburg im Geschäftsjahr 7 Mio. € investiert. Das Gesamtinvestitionsvolumen des Projektes beläuft sich voraussichtlich auf 15 Mio. €. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2016 geplant.

Zusätzlich wurden weitere Projekte in den Bereichen Allgemeine Anlagenerhaltung, Infrastruktur, Energieeffizienz und Umweltschutz an den Standorten Hamburg und Lünen umgesetzt.