Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Der Aurubis-Konzern ist im internationalen Kupfermarkt und in seinen Teilmärkten aktiv. Diese unterscheiden sich in ihren Strukturen zum Teil deutlich.

Am Weltmarkt für Kupferkonzentrate, die von Minengesellschaften und Händlern angeboten werden, steht Aurubis im Wettbewerb mit anderen Primärkupferhütten. Deren Standorte liegen vor allem in China und Japan.

Als bedeutender Käufer und Verarbeiter von kupfer- und metallhaltigen Recyclingrohstoffen bewegt sich Aurubis überwiegend im europäischen Markt. An diesem sind auf der Anbieterseite vor allem die Unternehmen des Metallhandels vertreten, ein Teil der Recyclingrohstoffe erreicht uns aber als Produktionsreststoffe auch auf dem direkten Weg von Produktherstellern. Auf der Nachfrageseite konkurrieren wir vor allem mit anderen Kupfer- und Metallhütten, die ebenfalls Recyclingmaterialien einsetzen.

Der Markt für Kupferkathoden ist international ausgerichtet. Kupferkathoden sind als raffiniertes Kupfer das Produkt, auf dem der Handel an den internationalen Metallbörsen basiert. Aurubis gehört hier mit seiner Jahresproduktion von 1,1 Mio. t zwar zu den größten Produzenten, hat aber, gemessen am Gesamtmarkt von rund 22 Mio. t, keine signifikante Position inne.

Die Märkte für Kupferprodukte weisen ebenfalls eine deutliche Fragmentierung auf, mit einer Vielzahl von Unternehmen, die vorwiegend zur Halbzeug- und Kabel- und Draht-industrie gehören.

An den Teilmärkten von Aurubis ergaben sich im Geschäftsjahr 2014/15 unterschiedliche Entwicklungen:

Am internationalen Markt für Kupferkonzentrate setzte sich der Trend zu höheren Fördermengen fort und trug damit zu einer guten Konzentratverfügbarkeit bei. Die Minenproduktion wird nach Angaben der International Study Group (ICSG) im Jahr 2015 voraussichtlich um 1,2 % auf 18,8 Mio. t Kupferinhalt steigen und erreicht damit in etwa die Wachstumsrate des Vorjahres. Die in der Herbstprognose der ICSG genannte Wachstumsrate fällt jedoch moderater aus, als noch im Sommer allgemein erwartet worden war. Das Marktforschungsunternehmen CRU International hat seine Schätzung der Minenproduktion etwas zurückgenommen, nachdem preisbedingte Produktionskürzungen berücksichtigt worden sind. Das Unternehmen sieht jetzt für das Gesamtjahr eine Wachstumsrate von 1,4 %, nach 2,3 % zur Mitte Jahres. Die Kapazitätsauslastung der Minen wird von der ICSG für die ersten sieben Monate 2015 mit 83,5 % angegeben, nach 85,0 % im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insgesamt zeigte sich am internationalen Markt für Kupferkonzentrate im Geschäftsjahr ein weitgehend ausgeglichenes Verhältnis zwischen Produktion und Nachfrage.

Der europäische Altkupfermarkt, der für Aurubis ein zentraler Beschaffungsmarkt ist, wies im Berichtsjahr eine differenzierte Entwicklung auf. Über weite Teile des Geschäftsjahres zeigte sich eine gute Verfügbarkeit, die auch in der Phase der ersten Kupferpreisschwäche im zweiten Quartal 2014/15 anhielt. Die Raffinierlöhne erholten sich im Zuge dieser Entwicklung deutlich. Zudem waren Verarbeiter von Altkupfer gut versorgt und standen nicht unter Kaufzwang. Ab dem Sommer 2015 veränderte sich das Bild. Das Mengenangebot nahm ab. Dies war einerseits auf fallende Kupferpreise zurückzuführen, resultierte aber auch auf einer insgesamt geringeren Sammeltätigkeit des Metallhandels, der zugleich unter einer ungünstigen Lage bei anderen Metallschrotten wie z. B. bei Aluminium oder Stahl litt. Der Effekt am Kupferschrottmarkt blieb jedoch begrenzt, da sich Konsumenten noch auf eine gute Versorgung stützen konnten.

Obwohl sich damit eine insgesamt gute Marktversorgung mit Kupferrohstoffen zeigte, ermittelte die ICSG, dass die Produktion von raffiniertem Kupfer im Jahr 2015 voraussichtlich nur um 0,8 % gegenüber dem Vorjahr zunehmen wird. Dies ist lediglich eine Steigerung um 190.000 t, die deutlich hinter dem Wachstum von 7 % im Jahr 2014 zurückbleibt. Einer Produktionszunahme von etwa 7 % in China stehen hierbei vor allem Ausfälle in Chile, Nordamerika und Japan gegenüber. Letztere betreffen insbesondere die Kupferproduktion im SXEW (Solvent Extraction Electrowinning)-Verfahren. Dies kommt bei neuerschlossenen Kupferminen mit oxidischen Erzen zur Anwendung. Die weltweite Kapazitätsauslastung der Kupferraffinerien lag im Zeitraum Januar bis Juli 2015 bei durchschnittlich 81,4 % (Vj. 81,2 %).

Die neben der Produktion ebenfalls zu berücksichtigenden sichtbaren Kupferbestände in den Lagerhäusern der Metallbörsen nahmen während des Geschäftsjahres zunächst kontinuierlich zu. Sie bestätigten damit, dass es am Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres zu einer Trendumkehr gekommen war. Ausgehend von rund 265.000 t erreichten die Vorräte im April 2015 ein Hoch von 601.000 t. Danach setzte ein Bestandsabbau ein, der Ende Juni 2015 bei etwa 450.000 t endete. Während der folgenden Monate kam es zum Teil zu gegenläufigen Entwicklungen. Insgesamt etablierte sich ein Bestandsniveau von etwas über 500.000 t. Die ebenfalls als Verfügbarkeitsindikator betrachteten Kupferbestände in chinesischen Zolllagern wiesen im Geschäftsjahr keine klare Trendlinie auf. Ihre Bandbreite reichte von 570.000 t im November 2014 bis 700.000 t im Juni. Am Ende des Geschäftsjahres wurden sie auf 380.000 t geschätzt. Insgesamt zeigte die Bestandsentwicklung aber ein weitgehend neutrales Bild, da sich die Mengenentwicklungen in den unterschiedlichen Kupferlagern zum Teil kompensierten.

Die weltweite Nachfrage nach raffiniertem Kupfer hat im Geschäftsjahr 2014/15 enttäuscht. Sie wird von der ICSG für 2015 um 1,2 % niedriger als im Vorjahr gesehen. Andere rechnen aber noch mit einem Wachstum von 1,0 % (CRU International) bis 2,3 % (WoodMackenzie). Allen gemein ist, dass die Ursprungsprognosen im Laufe des Jahres deutlich nach unten revidiert wurden.

Die Nachfragesschwäche resultierte vor allem aus dem geringeren chinesischen Kupferbedarf, ausgelöst durch eine schwächere Industrieproduktion, eine Verzögerung der Investitionen in das Stromnetz und einen deutlichen Rückgang in den Bauaktivitäten. Zudem erfolgte in bestimmten Bereichen, wie bei Klimaanlagen, ein Bestandsabbau.

In den USA wirkte sich die allgemeine wirtschaftliche Erholung nicht in allen Endbedarfsbereichen gleichermaßen aus. Der Kupferbedarf wird 2015 mit einer Steigerung von 1,9 bis 2,0 % eingeschätzt. Das Wachstum in der Autoproduktion hat sich verlangsamt, die Erholung im Hausbau noch nicht im Kupferbedarf bemerkbar gemacht. Belastungen werden auch im starken US-Dollar gesehen, der Importe begünstigt.

In Westeuropa hat sich das Gegenteil ergeben, da der schwache Euro das Exportgeschäft förderte. Allein in Deutschland rechnet der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) für 2015 mit einem Exportplus von 6 %. Ansonsten sind die Wachstumsraten nach einer teilweise deutlichen Erholung im Vorjahr moderater geworden. Westeuropa wird dabei stärker als Osteuropa gesehen, wo der Kupferbedarf niedriger ausfällt als im Vorjahr. In der Eurozone könnte die Industrieproduktion voraussichtlich um 1,5 % steigen, in Westeuropa der Automobilsektor wahrscheinlich mit einer Produktionszunahme von 2,7 % solide wachsen.

Zusammenfassend wird für 2015 von der ICSG eine weitgehend ausgeglichene Kupferbilanz erwartet, nachdem sich im Vorjahr am Weltmarkt für raffiniertes Kupfer noch ein Produktionsdefizit von knapp über 400.000 t ergeben hatte. Auf dieses Ergebnis deuten auch die letzten Monatswerte hin, die aktuell bis Juli 2015 vorliegen. Sollte sich die Tendenz in den restlichen Monaten bestätigen und damit die Prognose der ICSG zutreffen, bewegen wir uns mit unserer Markteinschätzung im Ausblick des Vorjahres durchaus in einem realistischen Rahmen. Der Aurubis-Konzern hatte damals zwar eingeräumt, dass es zu einem Produktionsüberschuss kommen könne, gleichzeitig aber angemerkt, dass dieser gering bleibe.

Kupferpreis und Kupfer-Börsenbestände

Grafik: Kupferpreis und Kupfer-Börsenbestände

Der Kupferpreis an der London Metal Exchange hat im Geschäftsjahr 2014/15 weiter nachgegeben. Im Mittel ergab sich ein Preis von 5.933 US$/t (LME-Settlement) und damit ein Wert, der um rund 15 % unter dem Durchschnittswert des Vorjahres (6.996 US$/t) lag. Konnten sich die Kupferpreise im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres mit einem Spitzenwert von 6.859,50 US$/t am 28.10.2014 noch zum Teil deutlich über 6.000 US$/t halten, kam es ab Mitte Januar zu einer ersten Schwächephase. In dieser wurde am 29. Januar ein Tief von 5.390,50 US$/t erreicht. Danach zeigte sich zwar eine Erholung, in deren Verlauf der Kupferpreis in der zweiten Märzhälfte erneut etwas über 6.000 US$/t stieg, dies war jedoch ein Preisniveau, das nur bis Mai anhielt.

Ab dem Sommer verstärkten sich die Einflüsse, die aus der Wirtschaftsentwicklung Chinas resultierten. Der Druck auf den Kupferpreis nahm wieder zu. Im Verlauf der Turbulenzen am chinesischen Finanzmarkt wurde am 24.08.2015 mit 4.888 US$/t ein Sechs-Jahres-Tief und gleichzeitig das Preistief des Geschäftsjahres erreicht. Bis Ende September konnte sich der Kupferpreis zwar erholen, vermochte es aber nicht, sich aus der Spanne von 5.100 bis 5.400 US$/t zu lösen.