Erläuterung der relevanten Risiken

Im Folgenden werden die mit unserem Geschäft verbundenen Risiken gemäß unseren Risikoclustern erläutert. Zudem werden wesentliche Maßnahmen und Instrumente erläutert, mit denen wir diesen entgegentreten. Auf Risiken sowie risikorelevante Sachverhalte, die wir nach heutiger Einschätzung potenziell als mittel bis hoch klassifizieren, wird gesondert hingewiesen.

Versorgung und Produktion

Die Versorgung unserer Produktionsanlagen mit Rohstoffen und die Verfügbarkeit dieser Anlagen sind für den Aurubis-Konzern von größter Bedeutung. Potenzielle Störungen größeren Umfanges sind als hohe Risiken einzuschätzen.

Um die Versorgung der Anlagen der BU Primärkupfererzeugung mit Kupferkonzentraten abzusichern, haben wir langfristige Verträge mit einer Vielzahl von Konzentratlieferanten aus unterschiedlichen Ländern abgeschlossen. Auf diese Weise gelingt es uns, das Risiko von Produktionsbeeinträchtigungen durch mögliche Lieferausfälle deutlich zu reduzieren. Durch den langfristigen Charakter der Verträge wird zudem das Risiko volatiler Spot-Schmelz- und Raffinierlöhne begrenzt.

Die Recyclinganlagen konnten aufgrund unseres umfangreichen internationalen Lieferantennetzwerks trotz zeitweise schwacher Verfügbarkeit von Kupferschrotten gut versorgt werden. Aus heutiger Sicht erwarten wir auch weiterhin eine ausreichende Versorgung und Auslastung unserer Produktionsanlagen für Recyclingmaterial. Volatilitäten in den Schmelzlöhnen resultieren aber weiterhin insbesondere aus der allgemeinen Entwicklung der Metallpreise, dem Sammelverhalten und dem Bestandsmanagements des Metallhandels, der europäischen Konjunkturentwicklung sowie dem Wettbewerb um die für Aurubis relevanten Sekundärrohstoffe.

Die Materialversorgung der Anlagen zur Herstellung von Kupferprodukten erfolgt hauptsächlich durch die im eigenen Konzern hergestellten Kupferkathoden. Dies erlaubt neben einer höheren Wertschöpfung auch die Steuerung der Qualität der Kupferprodukte während des gesamten Prozesses. Der Bedarf an Kupferkathoden für das Segment Kupferprodukte konnte überwiegend intern gedeckt und damit unsere Lieferzuverlässigkeit und die Qualität unserer Produkte sichergestellt werden. Kupferhaltige Vorstoffe für den Einsatz in den Produktionsanlagen der Business Line Flat Rolled Products konnten ebenfalls in ausreichender Menge beschafft werden. Auch hier gehen wir weiterhin von einer ausreichenden Versorgung aus.

Die Anlagenverfügbarkeit war insgesamt zufriedenstellend, jedoch phasenweise durch geplante Instandhaltungsmaßnahmen und technische Störungen reduziert. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den im Geschäftsjahr 2015/16 geplanten Großstillstand am Standort Pirdop.

Grundsätzlich haben wir zur Bewältigung potenzieller Betriebsstörungen, die beispielsweise durch Ereignisse wie Hochwasser oder Feuer entstehen können, organisatorische Maßnahmen ergriffen (wie zum Beispiel Alarmpläne, regelmäßige Übungen zur Schulung der Mitarbeiter). Außerdem begegnen wir dem Risiko von Betriebsstörungen mit regelmäßigen Wartungsarbeiten und dem Vorhalten kritischer Ersatzteile.

Logistikrisiken begegnen wir durch ein sorgfältiges, mehrstufiges Auswahlverfahren für Dienstleister, durch weitestgehende Vermeidung von Single Sourcing und den präventiven Aufbau von Back-up-Lösungen. Wir greifen auf ein internationales Netz qualifizierter Dienstleister zurück und beugen zum Beispiel wetterbedingten Risiken in der Transportkette vor, indem wir Ausfallrisiken durch vertragliche Regelungen zum Vorhalten entsprechender Alternativen minimieren.

Absatz

Neben Versorgungs- und Produktionsrisiken bestehen für den Aurubis-Konzern als „mittel“ klassifizierte Absatzrisiken.

Die Absatzsituation bei Kupferprodukten entwickelte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr in einem positiven Markt-umfeld insgesamt zufriedenstellend. Der Bereich Rod konnte den Absatz gegenüber dem Vorjahr nochmals steigern. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir von einer Fortsetzung der aktuellen Marktverfassung und stabilen Produktabsätzen aus. Grundsätzlich besteht am Markt ein hoher Preisdruck aufgrund von Überkapazitäten.

Nach einem saisonal bedingt schwächeren Geschäftsjahresbeginn belebte sich die Nachfrage nach Schwefelsäure vor allem aus der Düngemittelindustrie. Zum Ende der zweiten Jahreshälfte verschlechterte sich jedoch die Preissituation im Spotgeschäft aufgrund eines Überangebotes am Markt bei stabiler Nachfrage. Wir gehen davon aus, dass sich die Preisschwäche bis zum Frühjahr fortsetzen wird.

Kathoden, die nicht intern verarbeitet wurden, setzt Aurubis auf dem internationalen Kupferkathodenmarkt ab.

Energie

Die Energiepreise haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr tendenziell reduziert. Durch den seit 2010 gültigen Stromvertrag haben wir uns langfristig gegen Kostenschwankungen aufgrund von schwer prognostizierbaren und volatilen Preisen abgesichert. Diese Absicherung bezieht sich auf den wesentlichen Anteil unseres Strombedarfs und deckt die wichtigsten deutschen Standorte ab. Darüber hinaus befassen wir uns mit der grundsätzlichen Versorgungssicherheit sowie den Potenzialen und Grenzen der Flexibilisierung der Energieabnahme, die durch die steigende volatile Einspeisung erneuerbarer Energien hervorgerufen werden.

Aufgrund der nach wie vor unsicheren Rechtslage und sich ändernder politischer Rahmenbedingungen lassen sich Belastungen durch Veränderungen bei potenziellen Kostentreibern wie zum Beispiel EEG, Emissionshandel, Netzentgelte oder Ökosteuer nur schwer verlässlich quantifizieren. Durch das verabschiedete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 erwarten wir mittelfristig eine Belastung auf bisherigem Niveau. Aus dem Beihilfeprüfverfahren hinsichtlich der Netzentgeltbefreiung zu den vorangegangenen Perioden ergibt sich nach heutigem Kenntnisstand ebenfalls keine wesentliche zusätzliche Belastung.

Die grundsätzliche Beibehaltung des Carbon-Leakage-Sonderstatus für bestimmte Sektoren ab dem Jahr 2021 hinsichtlich der Zuteilung von Emissionshandelszertifikaten sowie CO2-Strompreiskompensation wird derzeit politisch diskutiert. Ein Ergebnis ist aus heutiger Sicht schwer zu prognostizieren. Insgesamt gehen wir mittelfristig von steigenden Kosten aus, die zu starken Belastungen führen könnten. Das Thema Energie und die damit einhergehenden, derzeit als „mittel“ eingestuften Risiken bleiben auch zukünftig für Aurubis als stromintensives Unternehmen relevant.

Finanzen und Finanzierung

Metallpreis- und Währungskursschwankungen stellen ein potenzielles Risiko beim Metallein- und -verkauf dar. Durch Devisen- und Metallpreisabsicherungen (Hedging) wird dieses Risiko maßgeblich reduziert. Metallüberhänge werden täglich durch Finanzinstrumente wie Spot- und Forwardkontrakte abgesichert. Gleiches geschieht durch Abschluss von Kassa- und Devisentermingeschäften zur Fremdwährungsabsicherung. Devisenrisiken aus Wechselkursschwankungen für Metallgeschäfte in Fremdwährung werden so ebenfalls täglich minimiert. Zur Minimierung des Ausfallrisikos haben wir bonitätsmäßig erstklassige Partner für Sicherungsgeschäfte ausgewählt.

Erwartete Mittelzuflüsse aus Fremdwährungen, insbesondere US-Dollar, sichern wir teilweise durch Optionen und Devisentermingeschäfte ab. Wir setzen dies auch zukünftig fort und gehen davon aus, die Risiken aus Metallpreis- und Währungskursschwankungen mit diesen Maßnahmen auf ein vertretbares Niveau reduzieren zu können.

Ausfallrisiken aus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden weitgehend durch Warenkreditversicherungen abgesichert. Eigenrisiken wurden nur sehr begrenzt und nach Prüfung zugelassen. Die Entwicklung der ausstehenden Forderungen wird eng verfolgt. Im Berichtszeitraum kam es zu keinen wesentlichen Forderungsausfällen. Wir sehen für die zukünftige Entwicklung keine bedrohlichen Entwicklungen.

Die Versorgung mit Liquidität ist für den Aurubis-Konzern von hoher Bedeutung und war im abgelaufenen Geschäftsjahr sichergestellt. Die Kreditlinien seitens der Banken waren ebenfalls ausreichend. Auch für das neue Geschäftsjahr gehen wir aus heutiger Sicht von einer entsprechenden Entwicklung aus. Risiken, die aus einem Wiederaufleben der Staatsschuldenkrise im Euroraum resultieren können und die wir nach heutiger Einschätzung als „mittel“ einschätzen, werden durch die Treasury-Funktion überwacht.

Umweltschutz und Sonstiges

Grundsätzlich besteht das Risiko, dass sich umweltrechtliche oder regulatorische Bestimmungen verschärfen und so entsprechende Kosten entstehen oder es zu Einschränkungen bei der Produktion und Vermarktung von Produkten kommt. So besteht das Risiko, dass die weiter verschärfende Umweltgesetzgebung die Vermarktung von Eisensilikat immer mehr einschränkt. Um dem entgegenzuwirken, haben wir in der Primärhütte Hamburg ein Investitionsprojekt aufgesetzt. Das Ziel aus der Umweltperspektive besteht darin, die im Eisensilikat enthaltenen Verunreinigungen durch eine zusätzliche Aufbereitungsstufe zu reduzieren. Zudem wollen wir durch die Erweiterung unserer Granulationskapazitäten eine größere Flexibilität auf dem Absatzmarkt erreichen.

Außerdem können Umweltrisiken, die beispielsweise aus der möglichen Nichteinhaltung von Grenzwerten resultieren, ebenso wie Verstöße gegen Auflagen zu rechtlichen Konsequenzen führen. Um dem zu begegnen, sorgen wir für einen umweltfreundlichen Betrieb unserer Produktionsanlagen. Im Umweltschutz sind wir international führend, was zum Beispiel die jährlichen Zertifizierungen nach ISO 14001 und EMAS belegen. Wir sehen uns hier auch für die Zukunft gut aufgestellt. Gleichwohl können betriebliche Störungen, die auch zu Beeinträchtigungen der Umwelt führen könnten, nicht vollständig ausgeschlossen werden. Insgesamt stufen wir die Umweltrisiken als „mittel“ ein.

In einem Betrieb mit komplexen Prozessen ist das Fachwissen der Mitarbeiter ein wichtiger Faktor, um die Leistungsqualität sicherzustellen. Deshalb greifen verschiedene Maßnahmen ineinander, damit Aurubis auch weiterhin auf das Know-how der Mitarbeiter zählen kann. Durch Kooperationen und Kontakte mit Hochschulen bauen wir Verbindungen zu qualifizierten Nachwuchskräften auf und durch Qualifizierungsmaßnahmen fördern wir die Entwicklung von Fach- und Führungskräften.

Die Bereiche Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz haben bei uns einen hohen Stellenwert. Unser Augenmerk liegt auf der Verantwortung des Einzelnen, detaillierte Gefährdungsbeurteilungen, Fortbildung sowie kurz- und mittelfristige Ziele mit der Vision „Null Unfälle“.

Rechts-, Steuer- und Compliance-Risiken begegnen wir mit organisatorischen Maßnahmen und klaren Führungsstrukturen. Die politische Diskussion zu Steuerthemen, wie z. B. Finanztransaktion- und Vermögensteuer, sowie deren mögliche Auswirkungen werden durch uns eng verfolgt. Gegen Aurubis läuft zurzeit in Bulgarien ein Kartellverfahren. Die Vorwürfe hält der Aurubis-Konzern der Sache nach für unbegründet.

Verfügbarkeitsrisiken unserer IT-Systeme begrenzen wir durch kontinuierliche Überwachung, technische Vorkehrungen sowie notwendige Anpassungen. Durch die redundante Auslegung unserer IT-Infrastrukturen sowie durch Datenwiederherstellungs- und Kontinuitätspläne begegnen wir Risiken aus möglichen Störungs- oder Katastrophenfällen. Risiken aus unbefugten Zugriffen auf Unternehmensdaten begegnen wir durch restriktive Vergabe von Zugriffsberechtigungen, durch Sicherheitsüberprüfungen und durch den Einsatz moderner Sicherheitstechnologien.

Zudem werden ausgesuchte Risiken über Versicherungen weitgehend abgedeckt. Hierbei bedienen wir uns der Expertise eines externen Versicherungsmaklers.