Geschäfts- und Ergebnisentwicklung des Aurubis-Konzern

Die Unsicherheiten aus dem gesamtwirtschaftlichen und marktbezogenen Umfeld des Aurubis-Konzerns werden auch im Geschäftsjahr 2015/16 die Geschäftstätigkeit begleiten. Aus den bisher vorliegenden Erkenntnissen lässt sich jedoch ableiten, dass wir es in den Business Units (BU) mit einer differenzierten Entwicklung zu tun haben:

In der BU Primärkupfererzeugung gehen wir von einer weiterhin guten Verfügbarkeit von Kupferkonzentraten aus, die uns eine gute Mengenversorgung mit hohen Schmelz- und Raffinierlöhnen erlauben wird und damit die Grundlage für eine zufriedenstellende Auslastung unserer Schmelzanlagen an allen Standorten bildet.

An unserem Standort Pirdop (Bulgarien) werden wir im April/Mai 2016 einen Großstillstand der Primärkupfererzeugung und Schwefelsäureherstellung durchführen. Durch den 50-tägigen Großstillstand wird es zu einem begrenzten Produktionsausfall kommen. Die Arbeiten werden jedoch von den Erfahrungen aus dem vergleichbaren Projekt in Hamburg profitieren. Außerdem ist der Umfang geringer, da der Standort Pirdop über keine eigene Edelmetallerzeugung verfügt. Die Investitionskosten werden voraussichtlich 44 Mio. € betragen, die Belastung des Ergebnisses vor Steuern ca. 25 Mio. €.

Betriebsbedingt sind weitere kürzere Stillstände für Wartungsarbeiten an anderen Anlagen und Aggregaten im Konzern eingeplant. Sollten sich darüber hinaus keine außergewöhnlichen Störungen ergeben, z. B. in der Prozesstechnik, durch nicht vorhersehbare Vorkommnisse oder durch Ereignisse bei unseren Lieferanten, ist davon auszugehen, dass wir in unseren Schmelzaggregaten erneut gute Durchsätze erreichen können.

In der Berichterstattung der Medien über die Konzentratmärkte ist wiederholt auf die zunehmend komplexere Materialzusammensetzung hingewiesen worden. Dies hat sich in der Entwicklung während des Berichtsjahres 2014/15 bestätigt und ist umso mehr eine besondere Herausforderung für uns. Wir sind aktiv an diese Entwicklung herangegangen und wollen unsere Verarbeitungsprozesse darauf noch stärker als bisher einstellen. Dies betrifft auch die Betrachtung und Einbeziehung der gesamten Lieferkette. Des Weiteren arbeiten wir fortlaufend an der Erschließung von Kostensenkungspotenzialen zur Verbesserung der Wettbewerbssituation im internationalen Wettbewerb.

Anders als das Geschäft mit Kupferkonzentraten hängt der Absatz von Schwefelsäure von kurzfristigeren Entwicklungen ab. Die Verträge haben deshalb deutlich kürzere Laufzeiten. Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres entstand aufgrund eines Angebotsüberschusses Druck auf die Schwefelsäurepreise, eine Besserung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar.

Dies gilt auch für die Versorgung mit Altkupfer und für die korrespondierenden Raffinierlöhne. Das Mengenangebot ist seit Anfang Oktober 2015 schwach geblieben, die Marktkonditionen sind entsprechend nicht zufriedenstellend.

In der BU Kupferprodukte haben wir es zum Teil mit Märkten zu tun, die eine sehr unterschiedliche Natur besitzen:

Im Kathodenabsatz werden derzeit die Weichen für das Kalenderjahr 2016 gestellt. Aurubis hat seine diesbezügliche Kathodenprämie für europäische Kunden von 110 US$/t auf 92 US$/t abgesenkt und trägt damit einer als zurückhaltend erwarteten Kundennachfrage für Jahresverträge Rechnung.

Im Produktgeschäft laufen derzeit die Verhandlungen über Jahresverträge 2016. Die anhaltenden Unsicherheiten in der Weltwirtschaft und in der konjunkturellen Entwicklung Europas scheinen dabei ihre Spuren in der Ordertätigkeit unserer Kunden zu hinterlassen. Für konkrete Aussagen über Abschlussvolumina ist es noch zu früh. Wir gehen jedoch auch im neuen Geschäftsjahr von einer zufriedenstellenden Anlagenauslastung aus.

Für Kupfergießwalzdraht, den wir überwiegend in Zentral-europa absetzen, ist insgesamt mit einer guten Nachfrage zu rechnen. Dafür sprechen aus heutiger Sicht die Aussichten in den Endbedarfsbranchen. Dennoch muss abgewartet werden, wie sich die laufenden Verhandlungen über Jahresverkaufsverträge 2016 entwickeln werden.

Die Marktsituation für Kupferstranggussformate wird insgesamt heterogener beurteilt. Hier geht der Trend weiterhin zu hochwertigen Spezialprodukten, die auch in besonderen Hauptgeometrien verlangt werden. Einfachere Standardformate für die Bauindustrie und einfache maschinentechnische Anwendungen besitzen indes nur noch wenig Wachstumspotenzial und unterliegen im Trend einer Stagnation.

Im europäischen Markt für Flachwalzprodukte gehen wir von einem leichten Wachstum aus, dies insbesondere im Segment für Steckverbinder. Durch Qualitäts- und Leistungsverbesserungen erwarten wir hier einen Nachfragezuwachs, der über das Marktwachstum hinausgeht. In Nordamerika rechnen wir in einem wenig veränderten Marktumfeld damit, einen Teil des im Geschäftsjahr 2014/15 zurückgegangenen Geschäftsvolumens wieder auszugleichen.

Die Marktentwicklung in Asien ist schwer einzuschätzen, insbesondere aufgrund der unsicheren Wachstumsprognosen für China. Mit besonderen Impulsen für unser Geschäft rechnen wir hier nicht.

Das Recyclinggeschäft mit Altkupfer ist kurzfristig orientiert und kann sich sehr schnell ändern. Eine Sensibilität besteht zum Kupferpreis, aber auch zum Sammel- und Abgabeverhalten des Metallhandels, das andere Metalle mit einbezieht. Deshalb dürfte sich an der angespannten Marktsituation in der nächsten Zeit wenig ändern, zumal saisonale Einflüsse aus dem Jahresende zum Tragen kommen. Vorhandene Verträge und Bestände können die derzeit geringe Materialverfügbarkeit am Markt abfedern. Eine sichere Gesamtbewertung der künftigen Altkupferversorgung kann aber derzeit nicht abgegeben werden. Wie bei der BU Primärkupfererzeugung sind auch hier turnusmäßige Wartungsstillstände zu berücksichtigen. Insbesondere bei komplexen Recyclingmaterialien, zu denen auch Elektronikschrotte und industrielle Rückstände gehören, wollen wir mit unserem neuen Recyclingansatz, der eine stärkere Ansprache der Produktkunden beinhaltet, das Geschäft weiter ausbauen.

Bei industriellen Rückständen hängt die Verfügbarkeit zudem von der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lage ab. Da diese in Europa zuversichtlich gesehen wird, könnte sich dies positiv im Mengenangebot niederschlagen.

Insgesamt können sich wie in den Vorjahren quartalsweise Unterschiede ergeben. Dies hat überwiegend saisonale Gründe, kann aber auch durch Störungen bei Aggregaten oder in den Betriebsabläufen verursacht sein. Gerade das erste Quartal eines Geschäftsjahres zeichnet sich im Geschäftsverlauf durch periodenbedingte Besonderheiten aus, zu denen beispielsweise eine gedämpfte Ordertätigkeit bei Kunden oder Veränderungen in den Rohstofflieferungen zählen.

Nicht prognostizierbar sind die für uns wichtigen Einflüsse aus dem Bereich der europäischen und deutschen Energie- und Umweltschutzpolitik. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres hat die EU-Kommission ein Grundsatzpapier zum Thema Kreislaufwirtschaft in der EU publiziert, das seinen Weg in das EU-Parlament und die 28 Mitgliedsstaaten finden wird. Das Thema berührt eine Aurubis Kernkompetenz und die wesentliche Produktstärke von Kupfer. Aurubis wird die Chancen und Risiken der Regulierungsabsicht bewerten und den politischen Prozess der Willensbildung begleiten.

Die künftige Entwicklung und Prognose der Aurubis AG deckt sich mit der für den Aurubis-Konzern getroffenen Gesamtaussage.