Entwicklung auf den geschäftsrelevanten Märkten

Allgemeiner Kupfermarkt

Grundsätzlich wird dem Rohstoffsektor in Wirtschaftskreisen auch im kommenden Jahr nicht viel zugetraut. Der Fokus liegt hierbei auf einer schwächeren Rohstoffnachfrage, die vor allem in China gesehen wird. Für Kupfer gilt dies besonders, da das Land etwa 45 % der Weltkupfernachfrage auf sich vereint. Dessen ungeachtet sind aber Sektoranalysten und Fachinstitute der Meinung, dass nicht mit größeren Produktionsüberschüssen im Markt für raffiniertes Kupfer zu rechnen ist. Die International Copper Study Group hat z. B. für 2016 in ihrer Weltkupferbilanz sogar ein minimales Produktionsdefizit ermittelt. Andere, wie Cochilco, die staatliche Kupferkommission Chiles, sehen lediglich einen geringen Überschuss von 44.000 t, der ins Verhältnis zum Gesamtmarkt von etwa 22 Mio. t gesetzt werden muss.

Damit könnte der internationale Kupfermarkt auch 2016 über ein solides Fundament verfügen, das einem nachhaltigen weiteren Kursverfall entgegensteht. Dennoch werden Unsicherheiten die Marktentwicklung weiterhin begleiten. Mit anhaltender Volatilität des Preises muss deshalb gerechnet werden.

Hinsitlich der Entwicklungen in China besteht ein breites und differenziertes Meinungsspektrum, dass keine klare Aussage zulässt.

In den USA, auf die etwa 7,5 % des Weltkupferbedarfs entfällt, wird nach Angaben von CRU International etwa ein Drittel des nationalen Kupferbedarfs in Korrelation mit dem industriellen Output gesehen, der 2016 um rund 2 % wachsen könnte. Dies ist eine Rate, die auch für den US-Autosektor als möglich erachtet wird. Dieser steht für rund 14 % der nationalen Kupfernachfrage. Insgesamt dürfte sich damit 2016 ein moderater Anstieg der US-Kupfernachfrage von etwas über 2 % ergeben.

Für Westeuropa werden aus der langsamen Erholung der Wirtschaft Effekte für den Kupferbedarf erwartet, die allerdings regionale Unterschiede beinhalten. Insgesamt könnte der Kupferbedarf 2016 in diesem Markt um 1,5 % zunehmen. Impulse kommen inzwischen außerhalb der nordeuropäischen Länder auch aus Spanien und Italien. Gute Perspektiven hat das Bauwesen in der Eurozone und auch die Aussichten für die Autoproduktion werden als solide beschrieben.

Die Lagerhaltung in den internationalen Lagerhäusern der London Metal Exchange hat während der ersten Wochen des neuen Geschäftsjahres einen Rückgang der Kupferbestände verzeichnet. Mitte November 2015 wies die LME einen Kupferbestand von 259.000 t aus und verzeichnete damit seit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres einen Rückgang von fast 62.000 t. Zugleich sind die zur Auslieferung angemeldeten Mengen hoch.

Die Einschätzung der Produktionsseite des Kupfermarktes gestaltet sich für das kommende Jahr besonders schwierig, da neben den herkömmlichen Einflussgrößen Streiks, Rohstoff-engpässe, technische Störungen, Wartungsstillstände, Wetter und Naturgewalten namhafte Effekte vom derzeit niedrigen Kupferpreisniveau darstellen dürften. Dies hat sich bereits in den Ankündigungen größerer Kupferunternehmen während der letzten Wochen gezeigt. So beabsichtigt allein der Kupfer- und Metallproduzent Glencore, seine Produktion von Kupfer um 455.000 t zu kürzen. Die anderen großen international operierenden Metallunternehmen stehen ebenfalls unter Preis- und Kostendruck und unterziehen ihre Portfolios und ihr Geschäft einer Revision mit dem Ziel der Kostensenkung und Optimierung. Hieraus könnten weitere Produktionskürzungen entstehen.

Abseits von Produktion und Nachfrage sowie Bestandsverfügbarkeit sind weitere Einflüsse auf den Kupfermarkt gegeben. Hierzu zählt insbesondere die Entwicklung an den Devisenmärkten, die auch das Engagement institutioneller Anleger mitbestimmt. Ein starker US-Dollar lässt deren Interesse am dollarbasierten Kupfermarkt sinken. Auch können die Preisentwicklung bei anderen Rohstoffen, wie bei Rohöl, oder die Entwicklungen am Kapitalmarkt das Anlegerverhalten beeinflussen. In beiden Fällen kann keine zuverlässige Prognose zur Entwicklung abgegeben werden. Hinsichtlich der eigenen US-Dollar-Risiken haben wir die uns bekannten Währungspositionen für 2015/16 bereits in wesentlichen Teilen abgesichert.

Der Kupferpreis, der sich an der Börse bildet, wird ungeachtet fundamentaler Faktoren auch im neuen Geschäftsjahr unbestimmbaren Einflüssen unterliegen und Schwankungen aufweisen. Dies beruht nicht zuletzt auf der unterschiedlichen Beurteilung des Marktes durch Analysten, Anleger und andere Akteure.

Märkte für Kupferkonzentrate und Schwefelsäure

Die Versorgung mit Rohstoffen zur Produktion von Kupfer umfasst bei Aurubis zu einem großen Teil Kupferkonzentrate, für die ein Weltmarkt existiert. Sie werden von Primärhütten ohne eigene Minen zumeist über langfristige Bezugsverträge beschafft, die sich hinsichtlich der Schmelz- und Raffinierlöhne jährlich an sogenannten Benchmarks für reinere Qualitäten orientieren.

Die internationalen Märkte für Kupferkonzentrate dürften im neuen Geschäftsjahr weiterhin von einer guten Mengenversorgung gekennzeichnet sein, was insbesondere auf die Inbetriebnahme von Erweiterungskapazitäten und neuen Minenprojekten zurückgeführt werden kann und auch dem limitierten Kaufbedarf von Nachfragern zuzuschreiben ist. Produktionsschwierigkeiten bei Minen oder nicht absehbare Ereignisse wie Streiks, technische Störungen, Energieengpässe und extreme Wetterverhältnisse können das Mengenangebot allerdings negativ beeinflussen.

Die Schmelz- und Raffinierlöhne für Spot-Verschiffungen von Kupferkonzentrat liegen derzeit auf einem hohen Niveau. Dies dürfte auch die Konditionen in den derzeit laufenden Verhandlungen für das Jahr 2016 positiv beeinflussen.

Das Angebot an den europäischen Märkten für Altkupfer ist derzeit sehr gering. Die weitere Entwicklung, für einen längeren Zeitraum, kann nicht zuverlässig prognostiziert werden.

Bei den Preisen für Schwefelsäure, die wir im Rahmen der Konzentratverarbeitung als Kuppelprodukt herstellen, könnte sich die ungünstige Situation aufgrund eines anhaltenden Überangebots vorerst fortsetzen. Wie lange und in welchem Ausmaß dies der Fall ist, lässt sich ebenfalls nicht qualifiziert prognostizieren. Einen entscheidenden Einfluss werden die Marktentwicklung in den Schwellenländern und die Entwicklung auf dem Düngemittelmarkt haben.

Märkte für Kupferprodukte und Recycling

Die Lage an den Märkten für Kupferprodukte dürfte in den kommenden Monaten wesentlich davon abhängen, wie sich die europäische Wirtschaft entwickeln wird und wie die einzelnen Branchenkonjunkturen verlaufen. Bisher zeigt sich hier insgesamt eine stabile Entwicklung, die sich fortsetzen könnte.

Für den weltweiten Elektro-Markt geht der Zentralverband der elektrotechnischen Industrie (ZVEI) von einem 5 % Wachstum im Jahr 2016 aus. Gestützt wird diese Entwicklung vor allem von den Schwellenländern, wohingegen in Europa ein niedrigeres Wachstums von 3 % erwartet wird.

Die Nachfrage nach PKW und LKW in Europa ist nach Angaben der European Automobile Manufacturers Association in den ersten neun Monaten 2015 um 8,8 bzw. um 12,2 % gestiegen. Ob und wie sich die jüngsten Abgasskandale negativ auf den Absatz europäischer Hersteller in Jahr 2016 auswirken, ist bisher noch nicht erkennbar.

Für die deutsche Bauindustrie sehen Prognosen für 2016 ein moderates Wachstum von 2 % im Jahresvergleich, wobei die Hauptimpulse hierfür aus den Ballungsgebieten kommen werden.

Basierend auf diesen Prognosen erwarten wir für Europa im Jahr 2016 eine stabile wirtschaftliche Entwicklung in den drei genannten, wichtigsten Branchen der Kupferanwendung, sofern sich die übergeordneten politischen und konjunkturellen Risiken nicht weiter verschärfen.

Die Wirtschaft in den USA, deren Entwicklung für unser dortiges Zweigwerk von ausschlaggebender Bedeutung ist, sollte sich auch 2016 weiter erholen, was sich positiv im dortigen Bedarf an Kupfer zeigen dürfte. Allerdings wird die Lage auch davon abhängen, wie sich der höhere von verstärkten Importen ausgehende Druck und eine fortgesetzte Nachfrageschwäche bei einzelnen Großkunden auswirken wird.

Für Kupfergießwalzdraht könnte sich die europäische Nachfrage in den kommenden Monaten zunächst auf dem heutigen Niveau bewegen. Die Lage in Frankreich wird sich voraussichtlich nicht signifikant verbessern. Es spricht einiges dafür, dass die leichte Erholung des italienischen und spanischen Marktes sich fortsetzten könnte. Insgesamt gehen wir trotz eines üblicherweisen schwachen saisonalbedingten ersten Quartals für das laufende Geschäftsjahr von weitgehend stabilen Nachfrageaktivitäten der Kabel- und Drahtindustrie sowie des Bereichs Automotive aus.

Bei den Kupferstranggussformaten geht der Trend weiterhin zu hochwertigen Spezialprodukten, die auch zunehmend in besonderen Abmessungen verlangt werden. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Standardprodukten eher schwächer erwartet. Hinsichtlich der Nachfrage nach Stranggussformaten erwarten wir insgesamt eine Stabilisierung auf heutigem Niveau.

Im europäischen Markt für Flachwalzprodukte erwarten wir insgesamt eine wenig veränderte Nachfragesituation mit Wachstumschancen in einzelnen Bereichen, in Nordamerika rechnen wir mit einem wenig veränderten Marktumfeld.

Für Altkupfer haben sich die schwierigen Marktverhältnisse nach dem Ende des Geschäftsjahres verstärkt. Wegen niedriger Metallpreisnotierungen sind die Sammelaktivitäten für Schrotte insgesamt zurückgefahren worden. Dies betrifft auch Kupfer, das zusammen mit anderen Metallen wie Aluminium oder Stahlschrott vom Metallhandel erfasst wird. Die Preisentwicklung motiviert darüber hinaus auch vorgelagerte Stufen der Recyclingkette, Schrotte zurückzuhalten und auf bessere Preise zu hoffen. Insgesamt trifft damit ein etwas reduziertes Schrottaufkommen auf eine gleichbleibend hohe Nachfrage. Der Druck auf die Raffinierlöhne ist aktuell gegeben.

Die Verfügbarkeit an komplexen Recyclingmaterialien, zu denen auch Elektronikschrotte gehören, unterliegt grundsätzlich anderen Rahmenbedingungen und damit weniger kurzfristig wirksam werdenden Veränderungen. Bei komplexen Recyclingmaterialien hat sich die Situation im neuen Geschäftsjahr, bedingt durch schwache Metallnotierungen und eine schlechte Versorgungslage von Vorlieferanten, als leicht rückläufig erwiesen. Es ist davon auszugehen, dass bei einem Anhalten dieser Marktverhältnisse der Druck auf die Raffinierlöhne auch hier zunehmen könnte.